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Am 28. Juni 2008 starb Walter Grob 94-jährig. Er gehört zu den prominentesten Pionieren – zu den ganz Grossen der Pfadfinder-Philatelie – und war 1984 Gründungsmitglied des Schweiz. Pfadfinder-Philatelistenvereins.

Als einer der ersten begann Grob in den 50er Jahren die Briefmarken und Belege dieses Gebietes als historische Dokumente zu sammeln. Er korrespondierte weltweit, publizierte Kurzartikel und Abhandlungen, beteiligte sich an Ausstellungen und erreichte höchste Auszeichnungen. Walter Grob hat mit diesem Engagement die Entwicklung der Pfadi-Philatelie wesentlich mitgeprägt. Im Gegensatz zu dem meisten damaligen Pfadimarkensammlern war Grob kein Quereinsteiger, sondern hatte bereits viele Jahre traditioneller philatelistischer Tätigkeit hinter sich. Mit dieser Erfahrung startete er seine Pfadimarkensammlung als postgeschichtliche Sammlung und führte sie später als dokumentarische Motivsammlung weiter.

 

Walter Grob konzentrierte sich mit letzter Konsequenz auf das Zusammentragen aller denkbaren pfadiphilatelistischen Elemente, insbesondere auch der Pfadistempel in allen Erscheinungsformen. Walter’s Dokumentarsammlung zum Thema Weltpfadfinderbewegung erstreckte sich vom Vorspann Mafeking (1899/1900) über den Zeitraum der Gründung (1907) bis zum 12. Weltjamboree 1967. So entstand die damals weltweit umfassendste Pfadisammlung.

 

Die thematische Philatelie stand in den 50er Jahren in den Kinderschuhen. Walter Grob blieb seinem Sammlungskonzept nach traditionellem Aufbau treu, konnte eine Zeitlang auf der dokumentarischen Linie mithalten und an internationalen Ausstellungen grosse Erfolge ernten. Ganz auf die thematische Schiene wollte er nicht umstellen und zog sich Ende achtziger Jahre von den Konkurrenzausstellungen zurück. Letztmals zeigte Walter Grob seine Sammlung anlässlich der NABA 2000 in St. Gallen in der Meisterklasse. Walter’s dokumentarische Sammlung war an Pfadimarkenausstellungen stets hoch willkommen und lieferte jungen Pfadiphilatelisten wertvolle Informationen für ihre Sammlungen.

 

Erinnerungen zum 90. Geburtstag

 

"Ja, ich habe viel erlebt in dieser langen Zeit. Da mein Vater bereits ein eifriger Briefmarkensammler war, wurde ich angesteckt und tauschte mit meinen Schulfreunden Marken. Auf Weihnachten erhielt ich ein Schaubeck-Europa-Album. Später kam ein zweites Album Übersee dazu. Nach 1934 arbeitete ich in La Chaux-de-Fonds und konzentrierte meine Sammeltätigkeit auf Schweizermarken. Pfadimarken waren zu jenem Zeipunkt noch kein Thema. Ich interessierte mich als Pfadi-Zugführer und späterer Abteilungsleiter mehr für die Pfadiaktivität mit den Buben. Auch während meiner Militärdienstzeit von 1939 bis 1945 organisierte ich Pfadiexamen, bis zum Umzug meines Arbeitgebers nach Lausanne, wo ich wieder eine Pfadi-Abteilung übernahm. In Lausanne wurde ich Mitglied der Société Lausannoise de Timbrologie. An den Sonntags-Börsen kaufte ich die ersten Pfadimarken. Den ersten Pfadimarkenkatalog erhielt ich 1950 aus den USA. 1953 hatte ich den Auftrag, mit den Lausanner Rovern im 5. Welt-Rovermoot in Kandersteg eine Ausstellung aufzubauen. Dort lernte ich meine ersten Pfadimarken-Sammlerkollegen kennen. 1955 holte ich mit meinem Pfadiexponat eine Bronze-Medaille an der Nationalen Briefmarkenausstellung in Lausanne. Noch als Unterlagerchef im Pfadfinder-Bundeslager 1956 in den Freibergen befasste ich mich mehr mit der allgemeinen Pfadfinderei als mit Philatelie.

 

Im Juni 1957 organisierte die Pfadi-Region Lausanne einen Sporttag am Genfersee. Die Stadt Lausanne stellte uns neben dem Stadion eine Baracke zur Verfügung und dort präsentierte ich meine Pfadisammlung. Ab diesem Zeitpunkt besuchte ich Briefmarken-Ausstellungen im In- und Ausland, studierte die Exponate und lernte Sammler kennen. An Pfadibriefmarkenausstellungen war ich als Juror tätig. In Kandersteg 1973, Gstaad 1980 und Cully 1987 organisierte ich Ausstellungen und präsentierte meine Sammlung. Besonders freute ich mich über die Einladung im Postmuseum in den Jahren 1973 und 1994/95."

 

Schon beim Internationalen Sammlertreffen 1973 in Kandersteg kam Walter Grob mit der Idee zur Bildung einer Internationalen Dachorganisation der Pfadi-Philatelisten. Doch erst im Jahre 2000 wurde die Gründung der IFSCO, des internationalen Verbandes der Pfadimarkensammlerklubs, realisiert. Zu Ehren und zur Erinnerung an Walter Grob wurde von seinen Nachkommen der Walter Grob-Preis gestiftet. Dieser wird alle zwei Jahre anlässlich der EuroScout-Ausstellung dem besten Einsteiger-Exponat im Ein-Rahmen-Wettbewerb nach den Regeln der Offenen Klasse zuerkannt.

 

Quellenangabe: Rölli-Schär AG - Seidenhofstrasse 2 - CH-6003 Luzern, Schweiz, 54. Rölli Auktion 6. - 8. Februar 2014
Verfasser: Alfred Scherb, 20.01.2014


Download: Walter Grob-Siegrist  -  Pfadi-Koriphäe der ersten Stunde

 

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